startseite news "love, whitney" archiv newsgalerie
termine
|
fans biographie galerie multimedia über die seite
|
presse Frankfurter Rundschau termine feedback |
|
Die Überlebende
Quelle: Frankfurter Rundschau Art der Quelle: Zeitung/Online Autoren: Christian Bos und Thomas Wolff Datum: 27.08.2009 Anlass: Albumveröffentlichung am 28. August 2009 Ton: neutral Eine Liedzeile, wie gemacht für die nach Bekenntnissen gierende Gesellschaft des neuen Jahrtausends: "Nennt es nicht Comeback - ich war all die Jahre hier, durch all die Wut, den Schmerz und die Tränen hindurch", singt Whitney Houston. Es ist nur ein Songtext, der letzte ihres neuen Albums - aber kaum ein Fan, kaum ein Kritiker wird der Versuchung widerstehen können, zu versuchen, die Worte mit Houstons wahrem Leben in Deckung zu bringen. Die Wut, der Schmerz und die Tränen: Vor allem darüber wurde berichtet, wenn es in den vergangenen 15 Jahren um die Sängerin ging, um jenen Superstar der 80er, der aus so großer Höhe fiel wie kein zweiter seiner Generation - vom "Bodyguard"-Star zur Drogenabhängigen und chronisch Erfolglosen. Jetzt ist Whitney Houston wieder da: Am Samstag erscheint ihr Album "I Look To You", das erste seit sechs Jahren - damals brachte sie eine CD mit altbekannten Weihnachtsliedern heraus.Wie man die 46-Jährige heute sehen soll, auch davon singt sie in dem Schlusslied "Salute". Ein "Soldier Girl" sei sie, gefallen und wieder aufgestanden. Dafür gab es reichlich Applaus, als Houston einige ihrer neuen Songs bei der Grammy-Gala im Frühjahr in den USA vorstellte. Es wurde ein Triumph: Größen des Showgeschäfts wie Stevie Wonder, Jane Fonda und Halle Berry lauschten ergriffen, feierten die Diva, die die Spuren ihrer Drogen- und Alkoholexzesse wie ihrer Ehe mit dem notorischen Rüpel Bobby Brown unter einer dicken Schicht Schminke verbarg und sich zu strahlen bemühte, als sei nichts gewesen. Der Beifall der Stars galt wohl auch eher dem Mut zum Neubeginn als den neuen Songs. Denn die klingen ganz wie die alten, eine Mischung aus gut gelaunten, leichtfüßig daherkommenden Tanznummern und Power-Balladen. Allein die Stimme hat sich ein wenig verändert - nicht zum Schlechteren. Sie klingt immer noch kraftvoll, aber deutlich dunkler, manchmal ein wenig gebrochen - es ist schlicht nicht mehr der makellos strahlende Koloraturgesang, für den sie Mitte der 80er weltberühmt wurde. Vielleicht werden jene Kritiker das nun für "authentisch" halten, die zuvor den mangelnden Realitätsbezug in Houstons Liebesliedern beklagten - als ob es im Showgeschäft um Echtheit ginge. "Liebeslieder aus der Tiefkühltruhe" hörte die Neue Zürcher Zeitung; "alles perfekt" befand die Süddeutsche über ihre Show, "nur eine wirkliche Emotion war dem Star nicht abzugewinnen". In den Augen vieler Kritiker spiegelte Houstons Auftreten die Oberflächlichkeit der 80er-Jahre-Gesellschaft. Dafür standen das makellose Äußere der jungen Sängerin aus Newark, US-Bundesstaat New Jersey, ihre enthaltsame Lebensweise und ihre gewaltige, gleichwohl cremige Stimme, mit der sie wahlweise über Anfälle akuter Fröhlichkeit oder von schönen, großen, stärkenden Gefühlen sang. Whitney Houston ist das perfekte Produkt für diese Zeit: schön, keusch, verwandt mit Soulsängerinnen wie Dionne Warwick - und mit einer Jahrhundertstimme ausgestattet. Bald nimmt sie der legendäre Produzent Clive Davis unter seine Fittiche. Der hat neben vielen anderen schon Janis Joplin, Bruce Springsteen und Patti Smith berühmt gemacht und gönnt sich nun viel Zeit und Geld, um Houstons Karrierestart möglichst spektakulär zu gestalten. Als 1985 endlich das Debütalbum erscheint, wird ein neuer Star geboren: Mit Gute-Laune-Songs wie "How Will I Know" und kostbar arrangierten Schnulzen wie "Saving All My Love" stürmt sie die US-Charts und wird auch international glänzend verkauft. Bis 1990 bringt sie zwei weitere Bestseller-Alben heraus und wird im Guinnessbuch der Rekorde als meistdekorierte Popmusikerin eingetragen: 411 Auszeichnungen zählt sie bis heute, darunter sechs Grammys. Doch dann kam Bobby Brown. 1992 heiratete Houston den R´n´B-Star, ein Jahr später brachte sie ihre Tochter Bobbi Kristina zur Welt. Schon ab dem Start begleitet hässlicher Klatsch die Beziehung: Von Prügeleien ist die Rede, von Crack und Alkohol. Houston erscheint zu spät zu Proben und Interviews. Bei einem Flughafen-Check finden die Beamten Marihuana. Als Brown 2005 auf die unselige Idee verfällt, das Eheleben in einer Doku-Soap zu vermarkten, sieht das TV-Publikum, wie es um den Star bestellt ist. Brown plaudert im Restaurant von Analsex; Houston tigert desorientiert und hysterisch kreischend durch die gemeinsame Villa: "Kiss my ass!" Mit 46 Jahren hat Whitney Houston nun doch noch den Weg zurück gefunden, sich von ihrem Ehemann wie von der Crack-Pfeife getrennt, sich mit ihrem Mentor Clive Davis versöhnt. Doch das Ganze Comeback zu nennen, wäre tatsächlich noch zu früh. Denn der Zug durch die Talkshows, durch lange Interview-Runden und sonstige PR-Terminen steht der Gefallenen, die wieder aufstand, noch bevor. Am 14. September wird Houston in der Oprah-Winfrey-Show ihre große Fernsehbeichte bringen; Houstons erstes Interview in sieben Jahren. Am 3. Oktober ist sie nach sieben Jahren erstmals wieder im deutschen Fernsehen zu erleben, bei "Wetten dass ...". Und da werden Wut, Schmerz und Tränen sicher das tragende Thema sein. |
nach oben