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Roth-Hilpoltsteiner Volkszeitung vom 06.08.2009
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Comeback von Sängerin Whitney Houston
"Ich bin glücklich, wieder bei euch zu sein"

Quelle: Roth-Hilpoltsteiner Volkszeitung
Art der Quelle: Online
Autor: Steffen Rüth
Datum: 06.08.2009
Anlass: Albumpräsentation in London vom 14. Juli 2009
Ton: positiv


LONDON - Whitney ist wieder da: Die amerikanische Soul-Sängerin versucht nach überstandener Drogensucht ein Comeback.

«Ich bin unfassbar glücklich und erleichtert, endlich wieder bei euch zu sein«, sagt Whitney Houston, den Tränen nahe. «Und ich verspreche euch, so schnell gehe ich nicht wieder weg.«

Whitney Houston ist tatsächlich zurückgekommen. «I look to you« heißt ihr neues Album. Es erscheint am 28. August und ist das erste seit sieben Jahren. Gemeinsam mit ihrem Entdecker Clive Davis (77), stellte Houston im Londoner Luxushotel «The Mandarin Oriental« vor 200 geladenen Gästen das Werk vor.

Der Eindruck: Whitneys Stimme ist etwas rauer geworden, sie kommt auch gesanglich nicht mehr ganz so hoch. Aber sie kann es noch. Die Songs selbst gehen in Ordnung, sind abwechslungsreich, poppig und flott. Sie stammen unter anderem aus den Federn von Alicia Keys («Million Dollar Bill«) und R. Kelly («I look to you«). Alles sieht danach aus, als könnte die 45-Jährige endlich an ihre einzigartige Karriere mit 140 Millionen verkaufter Alben, unzählicher Nummer-Eins-Hits und Klassikern wie «I will always love you« anknüpfen.

Im Leoparden-Kleid

Whitney spricht mit fester, klarer Stimme. Es ist keine richtige Pressekonferenz, sondern ein knapp fünfminütiger Monolog. Auch singt sie nicht live an diesem Abend. Aber sie macht einen lebendigen, einen begeisterten, einen gesunden Eindruck. Über dem schwarz-weiß gescheckten Leopardenmusterkleid von Dolce und Gabbana zeichnet sich sogar ein winziges Wohlfühlbäuchlein ab. Die Phase, in der Whitney als horrormäßig aussehendes Magerwrack schockte, ist vorbei.

Dabei war Houston vor wenigen Jahren dem Tod näher als dem Leben. Sie war so tief unten, wie es tiefer nicht mehr geht. Immer öfter kamen kurzfristige Konzertabsagen, immer verwirrter war der Eindruck, den sie hinterließ. Über die Jahre hatte sich das einst so strahlende All-American-Girl in ein Drogenmonster verwandelt. 2002, als ihre letzte Platte «Just Whitney« rauskam, gab sie der US-Talkerin Diane Sawyer ein Interview, in dem sie erstmals Alkohol- und Drogenmissbrauch einräumte, auch wenn sie mit dem legendären Ausspruch «Crack is whack« (Crack ist Schrott) den Konsum der berüchtigten Billigdroge abstritt. Wenig später allerdings tauchten Fotos auf: Die Villa in Atlanta, in der Whitney mit Ehemann Bobby Brown und Tochter Bobbi Kristina lebte, sah darauf aus wie eine Junkiehöhle. Überall Müll, Schnapsflaschen, Joints – und Crackpfeifen.

Harte Phasen

2006 trennte sich Houston von Bobby Brown - auch auf massiven Druck von Davis und ihrer Familie - , 2007 kam die Scheidung. Sie machte einen Drogenentzug und scheint heute clean. Mit Bobbi Kristina lebt Houston nun überwiegend in Los Angeles.

Fehlte nur noch das Comeback. «Als Clive mich zum ersten Mal anrief, kam er ziemlich ungelegen. In jener Zeit verlief mein Leben noch ruppig. Ich ging durch eine harte Phase.« Worte wie «Drogen«, «Sucht« oder «Abhängigkeit« nimmt Whitney nicht in den Mund. Sie sagt lediglich. «Schlagzeilen machte ich seinerzeit nicht mit meiner Musik. Sondern mit anderen, negativen Dingen.«

Sie wollte von Davis, der auch Janis Joplin oder Rod Stewart gemanagt hat, wissen, ob sie das schwierigste Comeback-Projekt sei, an dem er je gearbeitet hat. «Seine Antwort lautete: «Ja, Schatz. Das bist du.«

Überzeugungsarbeit war nötig. «Ich hatte nicht unbedingt daran gedacht, meine Karriere fortzusetzen. Eigentlich bereitete ich mich auf ein friedliches, ruhiges Leben vor. Ich wollte mit meiner Tochter Erdbeeren pflücken und auf einer Insel leben. Aber Clive blieb hartnäckig.«

Zwei Jahre Arbeit

Seit über zwei Jahren arbeiten die beiden am Comeback, Houston soll sogar Gesangsstunden genommen haben, um ihre von den Drogen ramponierte Stimme wieder hinzubiegen. «Zum ersten Mal in meinem Leben bin ich nun eine alleinerziehende Mutter. Ich bin für meine Tochter verantwortlich, und ich bin für mich verantwortlich. Ich muss oft an meine eigene Mutter denken, die meine Geschwister und mich ebenfalls alleine durchgebracht hat. Ich wollte mir an Beispiel nehmen an meiner starken Mum.«

«I didn’t know my own Strength« heißt die neue Single. Der Song ist eine dieser typischen Powerballaden, für die Houston berühmt ist. Sie singt darin: «I did crumble, but I did not tumble« (Ich bin gestolpert, aber ich bin nicht gefallen) und «I was not built to break« (Ich bin nicht dafür gemacht, um zu zerbrechen). Whitney: «Jedesmal, wenn ich in LA am Strand spazieren gehe, was ich gerne tue, sprachen mich Menschen an. ‚Wann singst du endlich wieder? Wann kommt das neue Album? Wann gibts du wieder Konzerte?’ Tja, und nun bin ich hier.«




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