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Sächsische Zeitung vom 08.08.2009
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Whitneys Auferstehung
Zurück aus der Hölle: Nach Jahren des Absturzes will Whitney Houston mit einem neuen Album noch einmal ganz nach oben.

Quelle: Sächsische Zeitung
Art der Quelle: Online/Zeitung
Autor: Dietrich Nixdorf
Datum: 08.08.2009
Anlass: Albumpräsentationen in London, New York und Los Anheles im Juli 2009
Ton: positiv


Nach Jahren des Absturzes wieder da: Whitney Houston. Foto: PR Es gibt Bilder von Whitney Houston aus dem Jahr 2001, auf denen ist großes tiefes Elend zu sehen: Houston oder besser das, was Kokain, Crack und Alkohol von ihr übrig gelassen haben, steht beim 30. Bühnenjubiläum von Michael Jackson auf der Bühne. Sie wirkt verwirrt, ist krankhaft dürr. Die Haut spannt sich über den Knochen. Ein Mensch auf dem Weg nach unten. Acht Jahre ist das her, und abgesehen von ein paar Bildern und mäßig erfolgreichen Platten war es seitdem relativ ruhig.

Damit soll es nun vorbei sein. Whitney Elizabeth Houston, die am Sonntag 46 Jahre alt wird und früher mal die erfolgreichste Sängerin dieses Planeten war, will zurück. „I look to you“, so der Name des neuen Albums, soll am 1. September erscheinen. Es ist ihr erstes Studioalbum seit sechs Jahren und glaubt man den Bildern auf www.whitneyhouston.com, kündigt sich das triumphale Comeback einer schon Verabschiedeten an, die Geschichte einer Auferstehung.

Ein Früchtestand auf einer Insel

„The Wait is over“ – das Warten ist vorbei – versprechen Videoprojektionen während der Präsentationsveranstaltungen in New York, Los Angeles und London. Und alle sind sie da: Stevie Wonder, Alicia Keys und Barry Manilow. Houstons Cousine Dionne Warwick sowieso, dazu Jane Fonda und Clive Davis, der „Mann mit den goldenen Ohren“, Entdecker von Bruce Springsteen und Janis Joplin – und jahrzehntelanger Freund von Whitney Houston. Davis, 77, und Gründer von Arista Records, kommt die Erweckerrolle in dieser Auferstehungsgeschichte zu. Vor mehr als drei Jahren hat er Whitney Houston angerufen und gesagt: „Zeit, wieder zu arbeiten. Die Menschen wollen dich singen hören.“ Sie habe damals an eine Insel gedacht, auf der sie einen Früchtestand betreibt, sagt sie. An die Flucht aus einem Leben also, das in seinen Grundzügen einer klassischen Läuterungsgeschichte nahekommt: Aufstieg, Fall – und nun die Wiedergeburt?

Als 1985 das erste Album mit dem schlichten Titel „Whitney Houston“ erscheint, ist die Sängerin Anfang 20, Model und blütenrein. Sie singt mit ihrer Mutter in einem baptistischen Gospelchor in New Jersey. Sie liebt niemanden außer Gott und ihre Familie. Eine ideale Fläche für Sehnsuchtsprojektionen, ein umwerfender Verkaufsschlager voller Unschuld mit einer Stimme wie Schmelz, die über drei Oktaven geht. Das Album verkauft sich in den USA 13 Millionen Mal.

Der Nachfolger „Whitney“ schießt 1987 auf Platz eins der Billboard-Charts. Der „Rolling Stone“ schreibt irritiert von einem Album „voller Songs, die man heute abscheulich findet und morgen mitsingt.“ Nacheinander landen sieben Singles auf Platz eins. Whitney Houston ist dort, wo viele nie hinkommen: Ganz oben. Sie hat eine Affäre mit Eddie Murphy und gibt Robert de Niro einen Korb („Es wäre Karriereselbstmord, wenn ich mich mit einem Weißen einließe“).

Millionen verkaufter Platten folgen, 1992 das Filmdebüt in „Bodyguard“. Aus ihrem Privatleben ist wenig zu hören. Es gibt kaum Kritiker und wenn, finden sie nur ihre Konzerte etwas seelenlos.

Vielleicht wurde alles zu glatt, zu perfekt. Der Markt braucht Schicksale und Brüche. Sie gehören zum Star, wie seine Musik. Von Jim Morrison bis zu Britney Spears und Pete Doherty, die meisten haben diese Erfahrung gemacht. Insofern ist das, was Whitney Houston dann passiert, traurig aber konsequent.

Liebe und Selbstzerstörung

1992 heiratet sie den R&B-Sänger Bobby Brown und Amerika rätselt, warum ihn? „Er war meine erste Liebe“, wird sie später sagen. Und: „Sie haben uns keine sechs Minuten gegeben, aber wir haben es auf zehn Jahre gebracht.“ Es müssen harte Jahre gewesen sein. Zwar kommt 1993 Tochter Bobbi Kristina zur Welt, aber Brown macht eher durch Drogen von sich reden, bändelt immer wieder mit dem Gesetz an. Irgendwann gerät auch Whitney in den Abwärtssog. Sie werden mit Rauschgift erwischt, sie schlagen sich. Whitney sagt Auftritte ab. Immer neue Entziehungskuren. Wie Butter auf einem heißen Messer schliddert sie durch das Leben. Haltlos. 2001 meldet eine Radiostation, Whitney Houston liege im Sterben. Es ist ein furchtbares, ein haltloses Gerücht, aber alles scheint zu der Zeit möglich. Es erscheinen Platten, doch bestimmend sind Skandale. Die Sängerin scheint sich zu verabschieden.

Zurück aus der Hölle

Es ist nicht übertrieben, zu sagen, dass sich das bis vor Kurzem kaum geändert hat. Nun also der Neustart. Vielleicht wird er ein Erfolg. Denn Whitney hat jetzt eine verkaufsträchtige Geschichte: Sie scheint zurück aus der Hölle – und sie erzählt davon. „Ich wusste, wenn ich kein Vertrauen habe, schaffe ich es nicht durch diese schwere Zeit“, sagt sie. Und im Song, „I look to you“, einer Ballade von zeitloser Eingängigkeit, heißt es: „Jeden Weg, den ich einschlug, habe ich bereut. Ich weiß nicht, ob ich es schaffe. Ich kann nur den Kopf heben.“ Das Album enthalte alles, was sie zu den letzten Jahren sagen könne, lässt sie verbreiten. Es geht um Wahrhaftigkeit.

Bei ihren Plattenvorstellungen sieht Whitney blendend aus. Sie lacht. Sie scherzt. Sie bedankt sich für Liebe und Vertrauen. Und sie spricht von innerer Kraft. Es heißt, sie nehme heute keine Drogen mehr, lasse sich von ihrer Tochter inspirieren. Von Bobby Brown ist sie seit 2007 geschieden. Man darf gespannt sein auf den Fortgang der Auferstehung, denn Whitney Houston hat einmal auch etwas anderes gesagt: „Ich bin mein bester Freund – oder mein schlimmster Feind.“




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