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Whitney live
Whitney Houston
Quelle: Popcorn
Art der Quelle: wöchentlich erscheinende Jugendzeitschrift
Datum: 1987
Anlass: Deutschland-Tournee 1987
Ton: positiv

Whitney bei der Premiere ihrer Tour: Im Oktober kommt sie zu uns Rosa Scheinwerfer huschen über die halbdunkle Bühne. Die siebenköpfige, ganz in Weiß gekleidete Band bezieht hinter den Instrumenten Position und beginnt die ersten Takte des weltweiten Sommerhits "I wanna dance with somebody" zu spielen. Die 23.000 Fans im "Marcus Amphitheatre" in Milwaukee/Wisconsin springen begeistert auf, beginnen zu tanzen. "Whitney, Whitney", rufen die Zuschauer. Die Spannung steigt weiter, als der dreiköpfige Backing-Chor mit dem Gesang einsetzt. Doch von Whitney ist noch immer nichts zu sehen - sie weiß, wie man Spannung schürt. Die Musik gleitet in die Nummer "Greatest Love of all" über. Die "Whitney"-Rufe werden lauter. Ein Scheinwerfer blitzt auf - und da steht sie, die neue schwarze Pop-Königin mit der magischen Anziehungskraft: engsitzendes, tiefblaues Kleid mit glitzernden Pailletten besetzt, darüber eine taillierte schwarze Jacke, extrem hochhackige Pumps. Statt - wie das begeisterte Publikum hofft - in den angespielten "Dance"-Hit einzusteigen, intoniert Whitney mit ihrer gewaltigen Stimme "How Will I Know", den ersten großen Hit.

Brillanter Sound, wenig Show: Whitney will sich von Madonna abheben Rot-gelbes Licht überflutet die dezent gehaltene Bühne. Im Hintergrund blitzt ein schlichter "Whitney"-Schriftzug auf und das Motto der World-Tour '87: "Moment of Truth" (dt.: Der Augenblick der Wahrheit). Grazil wie eine Gazelle schreitet die 23jährige zur Bühnenrampe, bleibt plötzlich stehen und röhrt mit unbeschreiblicher Intensität die zeile "How will I survive" ins Mikrofon, bevor sie energisch den Kopf zurückwirft und mit dramatisch emporgestreckten Armen den Song beendet.

Grazil und ganz Lady: Whitney Houston feierte in den USA Triumphe Nach diesem stimgewaltigen Auftakt präsentiert Whitney eine langsame Nummer: "You give good love". Mit schmiegsamen Körperbewegungen trägt sie den Song vor, verharrt dann bewegungslos vor dem Mikrofon. Whitney Houston braucht keine ausgefeilte Choreographie und aufwendigen Lichteffekte - es sind ihre dramatischen Bewegungen und ihre starke Stimme, die faszinieren. Zwischendurch flirtet sie mit dem Publikum, macht Scherze, erklärt, worum es in den Songs geht. Nach eine Soft-Nummer "Just the lonely talking again" geht es weiter mit dem von Calypso inspirierten "Love will save the Day". Das folgende Gospel-Medley widmet Whitney ihrer Mutter Cissy Houston, die sie schon als Kind in den Gospel-Chor begleitet hat. Dann kündigt Whitney die neue Single "Didn't we almost have it all" an. Riesenapplaus. Nahtlos geht der Song über in die zur Zeit heißeste Tanz-Nummer "I wanna dance with somebody (who loves me)". Das Publikum nimmt den Song wörtlich und beginnt auf den Gängen zu tanzen und zu hüpfen. Die meisten kennen den Song auswendig und singen aus vollen Hals mit. Die Überraschung: Was auf Platte wie vibrierender Elektro-Soul klingt, entfaltet sich live zu einem melodischen Big-Band-Sound. Jedoch nicht minder mitreißend.

Bei der einzigen Zugabe dieses Abends wird es dann noch einmal dramatisch. Nur von einem weißen Lichtkegel angestrahlt, ruft sie in die Menge: "Ich könnte euch nicht verlassen, ohne dieses Lied gesungen zu haben: "Greatest Love of all". Und dann legt Whitney mit ihrer Power-Stimme nochmal richtig los, dass es einem eiskalt über den Rücken läft. Mit einem ohrenbetäbenden Trommel-Wirbel und unter dem orkanartigen Beifall der Zuschauer verläßt Whitney Houston nach einer tiefen Verbeugung im grazilen Wiegeschritt die Bühne.

Ganz klar: Bei ihrer ersten Liveshow hat Whitney Houston alles getan, um sich von ihrer ungeliebten weißen Konkurrentin Madonna zu untersheiden. Obwohl jünger, will sie schon Lady sein, setzt ganz auf ihre Stimme, nicht auf Showffekten. Im Oktober - die ürsprünglichen Daten haben sich um vier Wochen verschoben - kommt Whitney Houston für acht Konzerte nach Deutschland.




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